30122stz-k

Zurück

Ein Hoch auf den Nahverkehr! Millionenlust 35 Millionen Euro sind ein Haufen Geld. Nach alter Rechnung macht das knapp 70 Millionen Mark. Genau so viel sollte einst der Deckel über die Konrad-Adenauer-Straße kosten, um das Trennende dieser Stadtautobahn zu überwinden und eine Kulturmeile zu gewinnen, die diesen Namen auch städtebaulich verdient. Daraus ist, wie jeder weiß, bis heute nichts geworden, denn Stadt und Land haben die 35 Millionen Euro nicht - ganz abgesehen davon, dass der Deckel zu diesem Preis gar nicht mehr zu verwirklichen wäre. Genau 35 Millionen Euro sind notwendig, um von der Ruhbank, unweit des Fernsehturmes, bis hinunter zum Olgaeck aus der heutigen alten Straßenbahnlinie eine flotte und moderne Stadtbahnstrecke zu machen. Die Bezirksbeiräte von Sillenbuch, der Stadtmitte und dem Osten sind einstimmig dafür. Auch der Technische Ausschuss des Gemeinderates war gestern geradezu begeistert (siehe Bericht auf Seite 21). Die Planer der Straßenbahn sowie externe Gutachter haben zwar klar gemacht, dass es aufwendig und ziemlich kompliziert ist, die künftige Trasse durch die engen Wohnstraßen auf der Gänsheide zu zwängen - aber was macht das schon? Die 35 Millionen Euro kommen ja nicht aus der schwer angeschlagenen Stadtkasse, sondern sie kommen von Bund und Land. Müsste Stuttgart selbst in die Tasche greifen, würden sich die Stadträte anders entscheiden. Dass die Millionen aus Berlin - wenn sie denn von 2004 an wirklich fließen - nichts anderes sind als Steuergelder, bleibt in diesem Falle unerwähnt. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren sich alle einig: Die Straßenbahnlinie zwischen Ruhbank und Olgaeck wird aus Kostengründen aufgehoben und durch einen billigen Busverkehr ersetzt, der vor allem die Schüler der Merz-Schule an der Geroksruhe und des Heidehof-Gymnasiums am Bubenbad transportiert. Wer von Sillenbuch zur Innenstadt möchte und zurück, der nimmt die neue Stadtbahn, die man schließlich für eine dreistellige Millionensumme mit Tunnels und durchgestylten Haltestellen angelegt hat. Doch davon will heute niemand mehr etwas wissen. Ein Hoch auf den öffentlichen Nahverkehr! Um Missverständnissen vorzubeugen: der Ausbau der Stadtbahn ist wichtig und wünschenswert. Doch in Zeiten knapper Kassen auf allen Ebenen gilt es, Prioritäten zu setzen. Und unter diesem Aspekt täte es auf der fraglichen Strecke auch ein Busverkehr. Aber die Millionenlust der Stadträte ist nicht zu bremsen. Denn das Geld belastet ja nicht ihre Stadtkasse. Von Thomas Borgmann



Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!